Die Naxoshalle ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Ort in Frankfurt. Sie ist Relikt der Industriekultur, die Frankfurt bis in die Nachkriegszeit wesentlich geprägt hat, aber aus dem Selbstverständnis der Stadt gegenwärtig fast vollständig verschwunden ist.

Von 1871 bis 1989 war sie Produktionsstätte der Firma Naxos-Union, die zunächst Schmirgelpapier, später auch Präzisionsschleifmaschinen herstellte. Das 1989 stillgelegte Industrieareal von 2200qm weist eine beeindruckende Architektur auf: Die Halle folgt in der Struktur einer altrömischen Basilika mit einer Apsis, einem Mittelschiff und zwei niedrigeren Seitenschiffen. Seit nunmehr 12 Jahren wurde sie in ihrem morbiden Charme belassen und in dem eigenartigen Status eines verstetigten Übergangsraums erhalten. Dies verdankt sie einer kontinuierlichen künstlerischen Praxis an diesem Ort und verdeutlicht so einen wichtigen, aber oft übersehenen Aspekt künstlerischen Handelns.

In einer Stadt wie Frankfurt, die durch hohe Nutzungsdichte den Nachfragedruck auf Immobilien und daraus resultierende hohe Grundstückspreise verstetigt, aber auch durch ordnungsrechtliche Zwänge ihre Gebäude und Orte zu einer einseitigen Form von Vergegenwärtigung und Vereinheitlichung drängt, kommt einem Ort wie der Naxoshalle in oder gerade aufgrund seiner konstanten Gefährdung eine essentielle Bedeutung zu.

Im Gegensatz zu der administrativ vollzogenen Umwandlungspolitik der Industrieruinen des Ruhrgebiets, beruht die aktuelle Nutzung der Frankfurter Naxoshalle für künstlerische Zwecke auf einer Besetzung im Jahr 2000. Sie befindet sich in einem dicht besiedelten und genutzten innenstädtischen Gebiet. In der Naxoshalle lässt sich also mitten in einer sich ständig neubestimmenden und definierenden Stadt die Potentialität von Räumen als Freiraum erfahren: als unbestimmte und undefinierte Überlagerung dessen was ist, was gewesen sein und was noch kommen könnte.

Im Rahmen von Implantieren auf Naxos soll ein fokussierter Prozess künstlerischer Forschung angestoßen werden. Die Aufführungsreihe will einen künstlerischen Umgang provozieren, der am Ort Vorgefundenes aufgreift und mit ihm operiert: das Sakrale der Basilika, die Klarheit des Industriebaus, die Rauheit der Ruine. Das Fehlen des Rahmens einer Guckkastenbühne eröffnet dabei den zeitgenössischen Darstellenden Künsten die Möglichkeit der Bezugnahme auf konkrete Gegebenheiten und Bedeutungsebenen, anstatt nur auf die eigenen zu verweisen.

Bild Naxoshalle

Bild Naxoshalle